Meldung vom 24.09.2016
Das am 11. März 2016 vom Bundestag beschlossene „Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie und zur Änderung handelsrechtlicher Vorschriften“ sollte vor allem den Verbraucher vor finanziellen Risiken beim Immobilienkauf schützen – tatsächlich erschwert es aber derzeit den Kreditinstituten die Vergabe von Krediten in ungeahntem Ausmaß. Betroffen sind vor allem Käufer, die über viel Eigenkapital, z. B. ein Haus, eine Wohnung, oder ein Grundstück, aber kein allzu hohes regelmäßiges monatliches Einkommen verfügen. Grund: Die Rückzahlung des Kredites durch den Kreditnehmer muss über die gesamte Laufzeit wahrscheinlich sein. Die Banken gehen eine Haftung ein, wenn sie über Risiken nicht ausreichend aufgeklärt haben und verzichten daher im Zweifelsfall lieber auf die Kreditvergabe. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der vergebenen Immobilien-Kredite sich um bis zu 20% reduzieren wird.
Anfang September hat nun die Aktion „Impulse für den Wohnungsbau“, eine Initiative aus über 30 Verbänden der Bau-, Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, den Bund aufgefordert, „die Vorschriften zur Kreditwürdigkeitsprüfung so schnell wie möglich zu korrigieren“. In dem Positionspapier, das an das Kanzleramt sowie Vize-Kanzler und Bundeswirtschaftsminister Gabriel, Bundesbauministerin Hendricks, alle Fraktionschefs sowie die meisten Abgeordneten des Bundestages verschickt wurde, wird auch darauf hingewiesen, dass besonders junge Familien und ältere Hausbesitzer von der Gesetzesänderung betroffen sind: Bei jungen Familien ist das monatliche Einkommen häufig noch nicht so hoch, und früher durchaus übliche Sicherungen beispielsweise durch einen Bürgen dürfen nicht mehr berücksichtigt werden. Schlecht sieht es auch für ältere Menschen aus, die z. B. Kapital benötigen, um ihr Eigenheim altersgerecht umzubauen oder energetisch zu sanieren – hier wird nur die monatliche Rente berücksichtigt, nicht aber das vorhandene Eigenkapital in Form einer in der Regel weitestgehend schuldenfreien Immobilie.
Das komplette Positionspapier finden Sie hier: https://goo.gl/qBozUE
Das neue Gesetz ist ein weiterer Hemmschuh für den Wohnungsbau in Deutschland. Zu einem immer undurchschaubar werdenden Baurecht, längst nicht mehr zeitgemäßen Regelungen zur Abschreibung und einer weit über das Ziel hinausgehenden Energieeinsparverordnung kommt nun die restriktive Vergabepraxis bei Darlehen. Man kann nur hoffen, daß die Initiative Erfolg hat und hier bald nachgebessert wird, bevor für immer mehr Verbraucher der Traum vom Eigenheim schon beim ersten Banktermin platzt.
Das Gesetz im Wortlaut finden Sie hier: https://goo.gl/96KIwb